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„Ich habe mir auf die Fahne geschrieben: So verlasse ich die Fußball-Bühne nicht!“

Sydney - Fußball ist seine Leidenschaft. Fußball ist sein Job. Fußball ist sein Leben. Die Rede ist von André Gumprecht. Der 34-Jährige begann seine Profikarriere bei Bayer Leverkusen, machte unter anderem Station beim italienischen US Leece und der SG Wattenscheid 09. 2002 wanderte der unzufriedene Gumprecht dann schließlich nach Australien aus, um sich in der ersten Profi-Liga einer neuen sportlichen Herausforderung zu stellen.

Gumprecht, der in seiner Leverkusen-Zeit mit Rudi Völler und Bernd Schuster zusammen trainiert hat, spielte in seinen letzten Jahren in Deutschland in Halle, Zwickau und Dresden. Doch der Fußballer war es leid, ständig auf seine Lohnzahlungen zu warten. Während eines Freundschaftsspiels kam er mit dem erfahrenen Trainer Bernd Stange ins Gespräch und hatte ihm von seiner momentanen Situation erzählt. Da Stange selbst mal in Australien trainierte, konnte er für den wechselwilligen Gumprecht den Kontakt zu seinem ehemaligen Club, Perth Glory, herstellen.

Der gebürtige Thüringer hat daraufhin seine Sporttaschen gepackt und sich auf den Weg ans andere Ende der Erde gemacht. Nach einer Woche Probetraining beim Erstligisten Perth Glory hatte er den Vertrag in der Tasche. Der australische Streifzug des André Gumprecht begann. Gleich im ersten Jahr wurde er australischer Meister. In der Folgezeit stand er mehrmals im Endspiel um die Meisterschaft. Parramatta Power und Central Coast Mariners waren weitere Stationen des Publikumsliebling.

Zwischenzeitlich machte der zweimalige Familienvater, der in Central Coast (70 Kilometer nördlich von Sydney) wohnt, einen Abstecher nach Singapur. „In Australien hat auf einmal das Fußballspielen aufgehört“, erklärt Gumprecht seinen kurzfristigen Ausflug nach Asien. 2004 fand ein Umbruch in der höchsten australischen Fußballliga statt. Die ehemalige „National Soccer League“ (NSL) wurde aufgelöst und die neue „Hyundai A-League“ stand in den Startlöchern. Bis zum Startschuss der neuen ersten Liga musste sich Gumprecht außerhalb Australiens fit halten. fit. So hatte er vor seinem Singapur-Ausflug auch bei einigen deutschen Clubs mittrainiert. Doch dem ehemaligen Zweitligisten wurde schnell klar, dass er dort nicht mehr glücklich sei und wieder näher zu seiner Wahlheimat wolle. „Da war Singapur die beste Möglichkeit“, sagt er. Von da aus, sei er stets aufbruchbereit gewesen, falls der Anruf aus Australien käme.

In der neugegründeten Profi-Liga zählte Gumprecht zu den Glücklichen, die sofort einen Vertrag bekommen hatten. Bei den Central Coast Mariners wurde er im ersten Jahr zum besten Spieler des Jahres gewählt. Eine längere Verletzungspause in der folgenden Saison warf ihn zurück.

In dieser Zeit gründete er seine eigene Fußballschule „Soccerpro“. In den letzten beiden Jahren hatte er dann einen schweren Stand im Verein. Dass ein Spieler mit seinem „Mariner“-Profil für „Soccerpro“ warb, wurde im Club nicht mit Freude aufgenommen. Vor allem, wenn der Verein gerade selbst dabei ist, eine eigene Fußballschule aufzubauen und so Konkurrenz fürchtete.

Was folgte, waren immer weniger Einsätze von Gumprecht. „Unter dem Vorwand, es hat sportliche Gründe, haben sie mich rausgekegelt“, sagt ein enttäuschter Gumprecht und fährt fort: „Hier in Australien gelte ich als ein guter Spieler. Das habe ich immer bewiesen. Die letzten zwei Jahre konnte ich mich nur nicht mehr so präsentieren“. Der Interessenskonflikt endete schließlich damit, dass sein Vertrag für die nächste Saison nicht verlängert wurde.

„Ich habe mir auf die Fahne geschrieben: So verlasse ich die Fußball-Bühne nicht!“, gibt sich der 34-Jährige kämpferisch. Sein Ziel ist es, noch einmal in der Liga Fuß zu fassen, in der er zum Publikumsliebling aufgestiegen ist – der australischen A-League. Um sich fit und abrufbereit zu halten, spielt Gumprecht im Moment beim Premier-League Team Bonnyrigg White Eagles in Sydney. Doch das soll nur eine Übergangslösung sein, weiß der seit 2002 glücklich Verheiratete, der seine Zusage zur australischen Staatsbürgerschaft bereits bekommen hat.

Falls Gumprecht in Australien nicht fündig werden sollte, käme für ihn auch noch mal Asien in Frage. Eine Rückkehr nach Deutschland steht für den Jenaer momentan nicht zur Diskussion: „Ich habe hier alles, was ich brauche.“ Der Herzblutfußballer sieht seine Zukunft zwar einzig und allein im Trainieren. Doch im Moment fühlt er sich für diese Tätigkeit noch nicht berufen: „Ich bin im Augenblick vom Herzen noch kein Trainer“, gibt Gumprecht zu. Die höchste australische Trainerlizenz ist für den Fall der Fälle trotzdem schon in Arbeit.

Gumprecht hat mit der australischen Meisterschaft im ersten Jahr seinen Höhepunkt erreicht. Einen Tiefschlag hingegen musste der Fußballer letztes Jahr außerhalb des Spielfeldes hinnehmen. Eine Kostümparty der „Mariners“ brachte Gumprecht ungewollt in die Schlagzeilen. Bei der Abschlussfeier verkleidete sich der Mittelfeldspieler als Hitler – so hatten es seine Mitspieler vorher festgelegt. Dass er damit vor allem in Deutschland für Aufsehen sorgte, war ihm dabei nicht bewusst. „Ich hatte erst Zweifel, doch dann dachte ich mir, das interessiert doch niemanden“, sagt Gumprecht. Er hatte sich danach in den Medien entschuldigt und sich von den Nazis klar distanziert. Heute weiß er, dass man auch am anderen Ende der Welt mit diesem Kapitel deutscher Geschichte vorsichtig umgehen muss.

Marco Schulze



Lesen Sie auch den Kommentar von Chefredakteur Ludger Heidelbach

EDITORIAL

Sydney   -  1972 hat die UNESCO das „Internationale Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ verabschiedet. Heute gehören 186 Staaten der Vereinbarung an. Es ist das international bedeutendste Instrument, das jemals von der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde. Auf der Liste des Welterbes stehen insgesamt 890 Denkmäler aus148 Ländern. Davon sind 689 Kulturdenkmäler (K) und 176 Naturdenkmäler (N). Weitere 25 Denkmäler gehören beiden Kategorien an.

Deutschland ist mit 33 Stätten vertreten. Seit vergangener Woche gehört auch das Wattenmeer aufgrund seines einzigartigen Ökosystems dazu. Welche Stätten jedoch auf die Liste kommen, scheint manchmal eher etwas willkürlich zu sein. Warum ist der Dom zu Speyer und der zu Aachen auf der Weltkultererbe-Liste, aber zum Beispiel nicht das Ulmer Münster? (Es ist eines der größten gotischen Gebäude und hat mit einer Höhe von 161,53 Metern den höchsten Kirchturm der Welt.)

Dresden wurde vergangene Woche der Titel aberkannt (siehe Seite 5), weil die Stadt eine Brücke über die Elbe baut: die Waldschlößchen-Brücke. Das Elbtal würde dadurch optisch zerschnitten werden, ist seit Jahren die Meinung des Komitees. Seit 2006 war daher Dresden auf der roten Liste der UNESCO. Für Sachsen war der vergangene Freitag mit der Aberkennung ein Schwarzer Freitag. Schlagzeilen waren: „Enterbt“ – „Aus! Dresdens Welterbe-Titel futsch“ – „Dresden ums Welterbe geprellt“ – „Elbbrücke kostet Dresden den Welterbetitel“.

Der Waldschlößchen-Brückenbau ist eines der umstrittensten Bauprojekte in Deutschland. Die Brücke soll die Innenstadt vom Autoverkehr entlasten. Der Streit ging bis zum Bundesverfassungsgericht und sogar das Parlament und der Bundestag mussten sich mit dem bekanntesten und umstrittensten Bürgerentscheid Deutschlands befassen. Vor fünf Jahren haben sich die Dresdner Bürger in einer Wahl direkt für den Bau entschieden – zum Schrecken aller Kunstfreunde und Kulturliebhaber. Es sollte mit der Brücke die Innenstadt vom Verkehr entlastet werden. Als die Dresdner abstimmten, wussten sie allerdings noch nicht, dass das Elbtal mit der Innenstadt Weltkulturerbe werden würde. Trotzdem zeugt die Entscheidung fürs Auto und gegen die Kulter von einer gewissen Gleichgültigkeit den Kulturgütern gegenüber. Aber alle Warnungen der UNESCO waren umsonst. Das sture Verhalten der Stadt Dresden habe ganz Deutschland blamiert, heißt es jetzt. Denn noch nie wurde der Titel eines Kulturdenkmals aberkannt.

„Ganz so schlimm wird es nicht werden“, meinen einige Bürger jetzt trotzig, denn ob mit oder ohne UN-Titel, Dresden bleibe eine große deutsche Kulturstadt und werde auch nichts von seiner Touristenattraktivität einbüßen. Und Oberbürgermeisterin, Helma Orosz (CDU) denkt schon über eine Neubewerbung nach: eine kleinere Version des Elbetales als Kulturgut, bei der die Brücke geografisch ausgespart bleibt. Na denn mal viel Glück!

Bis nächste Woche

Ihr Ludger Heidelbach
 

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