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Douglas Mawson: Auf den Spuren eines tragischen Abenteuerers

Sydney – Die Geschichte der Entdecker und Abenteurer dieser Welt hat viele Helden hervorgebracht, einige von ihnen sind bis heute durch ihre Taten weltbekannt, andere längst in Vergessenheit geraten, auch wenn sie oft nicht weniger geleistet haben.

die Erforschung und Bereisung der Antarktis. Erst zu Beginn des 20. Jahrhundert machten sich einige Wagemutige auf, diesen kältesten aller Kontinente, dessen mittlere Temperatur bei -55° C liegt, als weißen Fleck von den Landkarten zu tilgen und genau so weiß wieder darauf zu verzeichnen.

Auch hier gibt es Namen wie Roland Amunsen, der als erster den Südpol erreichte, oder Robert Falcon Scott, der spektakulär scheiterte und mit samt seinem Team im ewigen Eis blieb, die sich noch heute in allen Geschichtsbüchern finden. Kein Australier hat es dabei je zu echtem Weltruhm gebracht, einer zumindest jedoch zu Nationalem. Dieser noch heute bekannte Australier ist Douglas Mawson, den hierzulande einigen vielleicht noch auf alten 100 Dollar Noten erkennen, die sein Gesicht zeigen. 1911 hatte Mawson beschlossen nur knapp zehn Jahre nach dem ersten Flug der Brüder Wright mit einem Flugzeug als erster Mensch den Südpol zu überfliegen.

Die Gegend war ihm dabei vertraut, denn er hatte schon an früheren Expeditionen teilgenommen, darunter eine über mehr als zwei Jahre dauernde. Um dieses Projekt durchzuführen lehnte er zu seinem Glück sogar eine Teilnahme an der gescheiterten Expedition von Falcon Scott ab. Doch endete damit sein Glück dauerhaft schon bevor er überhaupt richtig mit seinen eigenen Plänen beginnen konnte. Das Flugzeug mit dem er seinen Rekordflug absolvieren wollte stürzte bereits vor seiner Abreise in die Antarktis auf einem Demonstrationsflug ab. Dabei wurde es so schwer beschädigt, dass eine Reparatur ausgeschlossen war.

Davon wollte Mawson sich jedoch nicht abhalten lassen. Da der Motor und der größte Teil es Rumpfes noch intakt waren, ließ er einfach die Flügel abbauen und machte aus seinem Flugzeug einen Motorschlitten. Doch auch so kam er nicht zum Ziel. Die primitive Technik versagte in der eisigen Kälte der Antarktis bereits bei den ersten Startversuchen. Hiermit hätte er jedoch rechnen können, denn er war nicht der Erste der feststellen musste, dass die modernen Geräte jener Zeit unter diesen Bedingungen regelmäßig versagten. In der Folge blieb Mawson nichts anderes übrig als seine Reise klassisch mit Schlitten und Hunden anzutreten.

Doch schon die erste weitere Erkundungsreise vom Basislager bei Cape Denison, im australischen Teil der Antarktis ins Landesinnere mit seinen zwei Kollegen Belgrave Edward Ninnis und Xavier Mertz, endete in einem Desaster. Zuerst stürzte Ninnis zusammen mit einem der Schlitten, einigen Hunden und fast allen Vorräten in eine Gletscherspalte und starb. In der Folge mussten sie sich auf dem Rückweg von den verbliebenen Hunden ernähren. Der Kreislauf des bis dahin vegetarisch lebenden Mertz verkraftete die Strapazen der Reise nicht lange und starb kurze Zeit später im Delirium. Mawson musste sich in der Folge mehr als 100 Meilen allein durch einen der härtesten Teile der Antarktis zurück zum Basislager durchschlagen. Er überlebte, musste aber noch ein Jahr bis 1914 im Basislager ausharren, bis wieder ein Schiff in der Lage war dort anzulanden und ihn abzuholen.

Doch auch diese katastrophale Unternehmung konnte ihn nicht Bremsen. In der 30er Jahren führte er noch zwei weitere Expedition in die Antarktis. Diesmal beschränkte er sich jedoch auf die Kartographisierung der Küstenlinie, ohne einen Versuch tiefer ins Landesinnere vorzustoßen.

Sein Basislager ist heute noch erhalten und kann von besonders wagemutigen Touristen auch besucht werden. Dabei gilt sie selbst für antarktische Verhältnisse als sehr abgelegen und so ist dort noch heute fast alles genau so wie vor fast 100 Jahren. Wissenschaftliche Geräte, Alltagsgegenstände und Nahrung stehen immer noch in den Regalen und auf den Tischen. Ein Teil der Nahrungsmittel dürfte sogar noch genießbar sein.

Zuletzt konnte auch das Flugzeug des Abenteurers wieder gefunden werden. Von der fragilen Konstruktion ist jedoch kaum mehr etwas übrig. Da sie die letzten Jahrzehnte unter dem Wasserspiegel lag, wurde sie von den Elementen stark in Mitleidenschaft gezogen. Wer sich zu seinem Besuch der Relikte dieses Abenteuers entschließt, sollte jedoch hartgesotten sein. Nicht nur die Kälte macht dem Menschen dort zu schaffen, es handelt sich auch um einen der windigsten Plätze der Erde. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit liegt bei 70 Stundenkilometern, Mawson konnte damals sogar eine Bö mit über 320 km/h messen. Zum Vergleich: Die Beaufort-Skala, in der international die Windgeschwindigkeit angegeben wird, endet bei 118 Stundenkilometer.


Niko Schweiger
 




Lesen Sie auch den Kommentar von Chefredakteur Ludger Heidelbach

   

EDITORIAL

Sydney - Am vergangenen Donnerstag hatte die Staatengemeinschaft auf dem „Afghanistan Gipfel“ in London vereinbart, mehr afghanische Sicherheitskräfte auszubilden und gemäßigte Taliban-Kämpfer zum Ausstieg zu bewegen. Dadurch – so wünschen sich die Politiker und Militärs – soll auch der Abzug der internationalen Truppen beschleunigt werden (siehe auch Bericht Seite 3). Afghanistans Präsident Hamid Karsai spielte den Schlauen und sagte dem deutschen Nachrichtenmagazin „Spiegel“, der Westen habe erst jetzt erkannt, dass sich der Antiterrorkampf nicht gegen Dörfer richten dürfe, sondern gegen die „Rückzugsgebiete, die Trainingscamps, die finanziellen Unterstützer“ der Terroristen. Hätten die Verbündeten das schon vor acht Jahren eingesehen, stünden wir heute besser da. Leider haben nicht alle auf uns gehört“, sagte Karsai. Außerdem forderte er, die Taliban in das Konzept zur Befriedung seiner Heimat einzubinden. Vor allem habe der Westen „endlich“ begriffen, wie wichtig ein Aussöhnungsprogramm mit der Taliban sei. Wenn es nach Karsai geht sind noch ca. 15 Jahre ausländische Präsenz notwendig und Millionen von Dollars.

Die Taliban höhnt ob solcher großartiger internationalen Pläne und nennt den Präsidenten abfällig einen „Diener der Amerikaner“. Warum ist Karsai so an der sozialen Wiedereingliederung der Taliban interessiert ist? Er weiß, dass er sich auf einen langfristigen Schutz durch ausländische Streitkräfte nicht verlassen kann. Wenn ihm die Taliban-Eingliederung nicht gelingt, muß er selbst um sein eigenes Leben fürchten. Gelingt sie, dann wird Afghanistan durch die wieder mitbestimmende Taliban eben ein bisschen mehr „islamisiert“. Ziviler Aufbau hat schon in der Vergangenheit nicht funktioniert. Was soll nun der Plan, diesem gescheiterten Projekt „Priorität einzuräumen“? Alles nur Schöngerede der Verantwortlichen. Rückblickend wünscht sich so mancher, nie nach Afghanistan gekommen zu sein. Wie naiv der Westen jetzt wiederum denkt: Karsai verlangt Geld, Geld und nochmals Geld zur Talibaneingliederung! Religiöse Fanatiker lassen sich nie mit Geld kaufen, eher schon nehmen sie das Geld an und benutzen es dann weiter im Kampf gegen die „Infideles“ (Ungläubige). Dazu kommt die große Korruption seiner Regierung, die er nicht einzudämmen vermag. Momentan sieht es eh so aus, dass die Afghanen als Hauptfeind Nummer Eins, nicht mehr die Taliban ausmachen, sondern eher die ausländischen Besatzungsmächte, die zudem noch einen Wahlbetrüger als Präsidenten stützen.

Was bietet Deutschland außer einer Statistenrolle an? Kanzlerin Merkel ist wenigstens so schlau und lässt sich auf kein Abzugsdatum der Soldaten festlegen, anders als der Minister-Neuling und Außenminister Guido Westerwelle. Die Taliban wartet nur auf solch ein Abzugsdatum, um dann ihren Machtbereich wieder ausweiten zu können! Westerwelle hat schnell die alte Masche der ratlosen Politiker in ausweglosen Situationen gelernt: mit Geld um sich schmeißen. Zum Kauf von „Talibanabschwörern“. Nützt das nichts, kann man mit noch mehr Geld fürs Problem ausgeben! „Afghanische Eigenverantwortung“ heißt das Zauberwort für die neue Strategie. Im Klartext: Die Afghanen sollen endlich selber zurechtkommen ohne fremde (militärische) Hilfe. Dieser Gedanke impliziert, dass später das voraussichtliche Scheitern des Wiederaufbaus den Afghanen selbst angelastet wird. Neue Afghanistanstrategie? Nein, dies ist eine politische Bankrott-Erklärung der Nato und des Westens!

Bis nächste Woche

Ihr Ludger Heidelbach
 

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