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Der Schweizer Kanton Arrgau gedenkt der mächstigsten europäischen Dynastie
"900 Jahre Habsburg"
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Die Habsburg – Stammsitz der später nach ihr benannten Herrscherdynastie – liegt im Kanton Aargau, hoch über einer Aareschleife, in der Nähe der Stadt Brugg. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie vor 900 Jahren im Jahr 1108.
Als der erste bekannte Vorfahre der Habsburger gilt Guntram der Reiche, der etwa 950 starb. Die Familie war ursprünglich im Elsass beheimatet und hatte unter anderem am Oberrhein ihre Besitzungen.
Im 10. Jahrhundert ließ Guntrams Sohn, Graf Lanzelin auf den Mauern eines alten römischen Kastells das Schlösschen Altenburg ausbauen, das heute zu einem Stadtteil von Brugg gehört. Von seinem Sohn Radbot wurde 1020 auf dem Wülpelsberg die vorher auch „Habichtsburg“ genannte Burg errichtet – damit hatten die Landgrafen im Elsass und Grafen im Zürichgau, ihre ältesten Besitzungen an der Aare gegründet. Mit Radbots Enkel Otto bezeichneten sie sich ab dem 12. Jahrhundert als „Grafen von Habsburg“.
Ein stolzes Jubiläum: Der Kanton Aargau darf sich heute noch als glücklicher Besitzer des reichen historischen Kulturerbes der Habsburger schätzen: der Altenburg bei Brugg, des 1027 von Radbot gestifteten Habsburger Hausklosters Muri, des 1311 gegründeten Klosters Königsfelden, des Klosters Wettingen, des Schlosses Stein bei Baden. Die zwölf historischen Aargauer Städte – Zofingen, Kaiserstuhl, Rheinfelden, Laufenburg usw. – sowie einige andere aargauische Orte haben durch zahlreiche Stadtrechte und Stiftungen einen intensiven Bezug zu den Habsburgern behalten.
Kein Wunder, dass der „habsburgische Teil“ des Kantons Aargau das ganze Jahr 2008 über mit vielen kulturellen Veranstaltungen „seiner“ Habsburger gedenkt.
Aus der langen und wechselvollen Geschichte wurden die markantesten Persönlichkeiten der Habsburger und ihre Beziehung zum Aargau in einer Jubiläums-Ausstellung im Brugger Zimmermannhaus besonders herausgegriffen: Von Rudolf I. (1218 – 1291), über Albrecht I. (1255 – 1308), Königin Agnes (1281 – 1364), Rudolf IV. den Stifter (1339 – 1365) bis zu Kaiserin Maria Theresia (1717 – 1780) sind insgesamt acht Herrscherpersönlichkeiten gleichsam die Paten für acht Teile der Ausstellung mit verschiedenen, für den Aargau relevanten Schwerpunkten.
Der Aufstieg der Habsburger im deutschen Reich und als europäische Weltmacht begann mit der Wahl des Grafen Rudolf – dem „armen kleinen Grafen“, wie ihn Böhmenkönig PrzemyslOttokar herablassend bezeichnete – im Jahr 1273 zum römisch-deutschen König Rudolf I. Vermutlich versprachen sich die deutschen Fürsten dadurch weiterhin freie Hand, aber schon fünf Jahre später zwang der „arme kleine“ König den Böhmenkönig Ottokar zum Verzicht auf die Herzogtümer Österreich und Steiermark, – das Erbe der Babenberger – das damit zum Kernland des Habsburgerreiches wurde. Gedenkjahr eines Königsmordes Der Sohn Rudolfs I., König Albrecht I. hatte ein weit weniger erfolgreiches Schicksal. Der Versuch, die Königswürde auf Dauer für die Habsburger zu erringen, scheiterte. Am 1. Mai 1308 wurde er das Opfer eines Attentats von seinem Neffen, Johann von Schwaben, der ihn bei Windisch erschlug.
Königin Agnes, die Tochter Albrecht I. und Witwe des Un-garnkönigs Andreas III. vertrat die habsburgische Politik im Gebiet der späteren vorderösterreichischen Lande und erwarb sich große Verdienste durch die Vermittlung bei den Streitigkeiten zwischen den Habsburgern und den Eidgenossen. Sie hielt bis zu ihrem 84. Lebensjahr einen kleinen Hof im von ihr gestifteten Kloster Königsfelden – eine Sehenswürdigkeit mit weltberühmten Glasfenstern.
Im 14. Jahrhundert bauten die Habsburger ihre Hausmacht weiter aus. Durch den Verlust der althabsburgischen Gebiete in der Eidgenossenschaft und im Aargau, und durch die Erwerbungen von Kärnten, Krain, Tirol, Frei-burg, Breisgau und Triest verlagerte sich das Habsburger Machtzentrum schließlich in den Osten, nach Wien.
Kluge Diplomatie, Erbschaften und Heiratspolitik bauten ein Weltreich auf, das mit Karl V. um 1556 seinen Höhepunkt erreichte.
Mit der Pragmatischen Sanktion hatte Karl VI. 1713 seiner Tochter Maria Theresia zwar das Erbe erhalten, von dem aber im Österreichischen Erbfolgekrieg Teile an Preußen fielen.
Durch die Heirat mit Franz Stephan von Lothringen – dem späteren Kaiser Franz I. – gründete Maria Theresia das Haus Habsburg-Lothringen, das im Fricktal (am südlichen Ufer des aargauischen Hochrheins gele-gen) sogar bis 1801 seinen Einfluss behielt.
Weltreich mit Wurzeln im Aargau Die Geschichte der Habsburger ist Weltgeschichte; ihr Reich war ein Weltreich, das von Europa über Afrika und Asien bis nach Südamerika reichte, in dem – wie Kaiser Karl V. sagte – „die Sonne nicht unterging“.
Mit dem Ende des I. Weltkrieges 1918 war mit dem Habsburgerreich auch die Macht des Hauses Habsburg zu Ende. Die Familie Habsburg hat ihre aargauische Herkunft jedoch nicht vergessen. Erzherzog Otto von Habsburg, 1912 als ältester Sohn des letzten Habsburger Kaisers Karl I. und Kaiserin Zitas geboren, hat seine Teilnahme an der offiziellen Ge-denkfeier am 24. Mai 2008 in der Klosterkirche Königsfelden zugesagt, da er sehr wohl wisse „wo die Wurzeln unseres Hauses sind“.
Kaiser Karl I. ist in Madeira im Exil gestorben und dort auch begraben, nur Kaiserin Zita ist – wie seit Jahrhunderten bei den Habsburger Herrschern üblich – in der Kaisergruft in Wien beigesetzt. Symbolisch mag jedoch sein, dass die Herzen von Karl und Zita gemeinsam im aargauischen Kloster Muri ruhen.
Traude Walek-Doby
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