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WOCHE-Serie: Die schönsten deutsch-australischen Liebesgeschichten

Perfektes Timing in der Liebe

Sydney – Sydney – Auch kleinste Entschlüsse bestimmen unser Leben nachhaltig, dies zeigt die Geschichte von Martina und Chris. Chris, der sich mit 20 entschloss ein Praktikum in Deutschland zu machen, hätte nicht an jenem Abend auf das Dorffest des örtlichen Musikvereins von Wieslet gehen müssen, in die Heimatstadt Martinas, damals 23 Jahre alt. Martina machte zu der Zeit einen Englischkurs bei der Volkshochschule. Ohne jenen hätte sie sich vielleicht niemals getraut mit Chris und seinem Freund zu sprechen. Auch bietet das Timing eine interessante Komponente, ohne welches Martina vielleicht nicht über Chris Freund gestolpert wäre, so hätten sie sich vielleicht niemals unterhalten.

Aber so kam alles anders. „Hey, die kann ja Englisch!“ Dies schrie der Freund Chris zu und winkte ihn gleichzeitig heran. So lernten sich die beiden in einem kleinen Dorf, nah bei Freiburg, 1995 kennen. Sechs Wochen später kamen sie zusammen. Dies sollte sich auf das Leben des Australiers und der Deutschen auswirken, nachhaltig!

Die folgende Zeit war von ständigen Trennungen durchzogen. Denn obwohl Chris das Praktikum zwei Jahre lang absolvierte, entschloss sich Martina schon vorher nach Irland zu gehen. „Dies war schlimm“, erinnert sich Martina, aber „das machte die Sache auch um so romantischer“. Die Treffen und Trennungen waren geprägt von Bildern auf dem Bahnhof und Flughafen. Dies sollte in Folge nicht anders werden.

Mit 25 kam Martina dann nach Australien. Zuerst reiste sie noch öfters zurück nach Deutschland, irgendwann blieb sie einfach. Sie mussten ihre Partnerschaft mit Fotos und Aussagen vor dem Amt beweisen, schließlich gab es damals noch kein „Work-and-Holiday-Visum“. Zuerst wollte Martina das australische Leben einfach auf sich zukommen lassen, schauen wo es hinführt. Schließlich blieb sie dann immer länger und so kam es letzendlich dazu, dass die beiden 2003 heirateten. Mittlerweile ist sie schon seit 13 Jahren in Sydney.

Annika (2) und Tomas (4) sind die Zeugnissee ihrer Liebe. Beide sprechen English, verstehen aber Deutsch. Für die Eltern ist es schwierig beide Sprachen zu vermitteln. Es kam sogar soweit, dass Tomas einmal zu seiner Mutter sagte: „Sprich doch mal normal“, als sie ihren Sohn auf Deutsch ansprach. Mittlerweile besucht er jedoch einen deutschen Kindergarten und gewöhnt sich an das Deutsch Sprechen.

Manchmal ziehen sich Chris und Martina noch mit ihren unterschiedlichen Kulturen auf. Die Australier seien einfach zu langsam, nicht effizient. Da fällt die Deutsche schon auf. Die Freunde ärgern Martina mit ihrem Kontrollwahn und Chris stichelt sie, indem er sie als „Fräulein“ oder als „deutsche Hausfrau“ bezeichnet.

Aber eigentlich sind die Kulturen ja gar nicht so unterschiedlich, meint Martina. Wir mögen ja schließlich alle gerne „Bier, Wein und Wurscht“. Dies ist Verständigung auf internationaler Ebene.



Annabell Gutzmer
 




Lesen Sie auch den Kommentar von Chefredakteur Ludger Heidelbach

   

EDITORIAL

In den USA läuft eine Debatte, ob die Türkei (Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches) in den Jahren 1915-1916 einen Genozid an der armenischen Bevölkerung verübt habe. Eine Resolution des US-Kongresses, laut der die Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich Völkermord war, wurde jetzt mit 23 zu 22 Stimmen angenommen. Das Votum müsse korrigiert werden, verlangt Ankara. Es laste der türkischen Nation ein Verbrechen an, das sie nicht begangen habe. „Deutschland hat die Verantwortung für den Holocaust akzeptiert“, sagte in der Begründung der Ausschussvorsitzende Howard Berman. „Für die Türkei ist es jetzt Zeit, die Realitäten des Genozids an den Armeniern zu akzeptieren“. Das werde am Ende auch die Demokratie in der Türkei und die amerikanisch-türkischen Beziehungen stärken.

Barack Obama hat als Präsident und Friedensnobelpreisträger auf einmal nicht mehr den Mut, zu seinen Überzeugungen zu stehen. Plötzlich gilt es, Rücksicht auf die Verbündeten, den Nato-Partner zu nehmen (türkische Militäreinrichtungen werden für den Krieg in Irak benötigt). All seine während des Wahlkampfes gemachten Hoffnungen scheinen an der amerikanischen Realpolitik zu scheitern. Dies beweist wieder das, was schon so manch Obama-Kritiker befürchtet hatte: nämlich, dass der charismatische Redner wenig Erfahrung im Umgang mit den wirklich Mächtigen und mit der Schwerfälligkeit bürokratischer Apparate habe. Das Foltergefängnis Guantanamo ist nicht aufgelöst, die Gesundheitsreform steht auf der Kippe, der Nahost-Dialog ist beinahe tot und Iran macht in Sachen Atomgewinnung eh was es will – um nur einige der unglösten Probleme zu nennen. Als Senator hat Obama 2008 noch den Mord der Osmanen an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges als schweres Verbrechen an der Menschlichkeit geächtet und auch im Wahlkampf wurde dieses Verbrechen von ihm noch als Völkermord angesehen.

Der Genozid an den Armeniern ist sehr gut dokumentiert. Eine Untersuchung einzuleiten, um die Geschehnisse richtig zu untersuchen, wie der türkische Ministerpräsident Erdogan es noch vor noch nicht allzu langer Zeit vorgeschlagen hat, ist angesichts der Beweise und dokumentierten Todesmärsche für einen Staatsmann eher peinlich.

Was politisch nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist folgendes: Wer Stabilität und Frieden im Kaukasus will, der muss auch die Wünsche eines kleinen und schwachen Staates wie Armenien berücksichtigen. Und was den Beitritt der Türkei in die EU angeht: Solange die Türkei nicht den Mut aufbringt diese Verbrechen einzugestehen, solange kann die Türkei bei dem geltenden Wertekodex der Europäischen Gemeinschaft nur draußen vor der Tür stehen. Bis nächste Woche

Ihr Ludger Heidelbach
 

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